Zeit nach Hause zu kommen. Heute ist Tag 110, noch vierzehn Tage und Rostock hat mich wieder. In den letzten drei Tagen hab ich fünf Klausuren geschrieben. Ich weiß nicht mal, ob das daheim überhaupt erlaubt ist. Aber hier kümmert es anscheinend niemanden. Nun ja, mich eigentlich auch nicht. Denn bisher waren die Tests doch recht einfach. Sollte ich dennoch durchgefallen sein, ist das wohl ein Zeichen sofort aufzuhören Englisch zu studieren. Fällst du in Malta durch, fällst du überall durch. Nein, mal ehrlich. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen da durchzufallen. Aber wir werden sehen. In zwei Wochen hab ich meine letzte Prüfung, zwischendurch noch ein Ölgemälde und eine Hausarbeit geschrieben und es heißt „Lebe wohl, Malta.“ Und natürlich „auf wieder sehen, Freunde.“ Denn dass ich auf jeden Fall in die Staaten reise, und sei es erstmal nur für ein paar Wochen als Urlaubtrip, steht schon mal zu hundert Prozent fest.
Ich denke dies wird mein letzter Blogeintrag werden. Schon allein weil dieser nicht mehr zu toppen sein wird und ich - nachdem ich mir gerade noch mal das Ende durchgelesen habe – einen Kloß im Hals hatte.
Sarah hat es geschafft in ihrem Blog uns alle super zu beschreiben. Ich mag den Versuch kaum wagen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und irgendwie hat sie mich inspiriert meinen Freunden daheim und meiner Familie einmal richtig von den wundervollen Menschen zu berichten, die ich hier getroffen habe.
Ich beginne mit Jonathan Nash aus Alabama, Hobbybergsteiger und jemand, der gerne anführt. Er liebt Sport, sei es Fußball oder Rugby. Es ist nicht sein erstes Auslandsstudium hier auf Malta. Zuvor war er bereits in Österreich und bringt mich jedes Mal zum Schmunzeln wenn er irgendwelche deutschen Wörter in den Raum wirft.

Der nächste im Bunde der Alabamajungs ist Graham Hughes Lowman, ein weiterer Fußballverrückter, der wie ein kleines Kind von irgendwelchen Fußballern schwärmt, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Hughes und ich hegen denselben Abscheu vor Krankenhäusern und würden eher verhungern als den dortigen Fraß herunterwürgen zu müssen. Hughes wäre ein guter Politiker – im guten Sinne – denn wenn er irgendwas mit Enthusiasmus verteidigt oder erbarmungslos zerschmettert, will man sofort mitmachen.

Die nächste meiner Lieblingsamerikaner ist Janae Leann Enns, so viele n’s und e’s und a’s; meine Güte. Janae kann man besten mit den Worten „total bekloppt“ beschreiben; im positiven Sinne versteht sich. Wir teilen eine merkwürdige Liebe zu Pocahontas und insbesondere zum Lied „Colours of the Wind.“ Manchmal überrascht sie mich mit für ein Mädchen eher ungewöhnlichen Sätzen und Dingen, von denen sie genau weiß, wie schockiert ich danach bin. Außerdem liebt sie es Deutsch zu hören, auch wenn sie kein Wort davon versteht.

Dritter Alabamaboy ist James David Woodington. Ich will David nicht auf sein perfektes Haar reduzieren, aber ich muss zumindest darüber schreiben. Wenn Mr. Woodington durch die Straßen schwebt, stellt man mit Erstaunen fest, dass die Götter ihm ein unvergleichliches Geschenk gegeben haben, perfekt sitzendes, goldenes Haar. Man muss es in natura gesehen haben, um es tatsächlich zu glauben. Zum Glück hat David auch Charakter, sehr viel Sarkasmus und einen erstaunlichen Grad an Wissen wenn es um Philosophie und Religion geht. Er will Professor werden, und ich will unbedingt irgendwann mal eine seiner Vorlesungen besuchen, einfach weil ich jetzt schon weiß, dass er ein hervorragender Dozent wird.

Die fünfte und – auch wenn man so was eigentlich nicht macht – zweitliebste Person hier, ist Sarah Marie Landerholm. Wie jeder US-Bürger trägt auch Sarah Blut anderer Völker in sich. Allerdings rennt sie nicht überall rum und erzählt, dass sie Vorfahren aus fünfzigtausend verschiedenen Ländern hat, sondern sie zelebriert ihre japanischen Vorfahren auf eine sehr angenehme Art und Weise. Sie kennt die Kultur, die Sprache und war auch schon dort. Zum Glück hänge ich nicht allzu oft mit anderen Amerikanern rum, die ständig allen erzählen woher ihre Vorfahren kommen, ohne wirklich Ahnung von davon zu haben. Sarah trinkt gerne Wein und sitzt auch gerne mal unter’m Tisch. Ob beides in Kombination zueinander steht? Nicht unbedingt. Sie hasst Katzen, aber ich vergebe ihr so wie sie mir vergeben hat. ;)

Letzter im Bunde ist John Fergerson Shults, absoluter Lieblingsami und Lebensretter. Als meine herzallerliebsten Schwestern mir erzählten, dass Außerirdische meine Brüder entführt haben, hielt ich diese immer für tot. Nun weiß ich, dass zumindest einer überlebt hat und bis in die Staaten fliehen konnte. John hegt eine unvergleichliche Liebe zu Gitarren, spielt selbst hervorragend und wird in naher Zukunft definitiv irgendetwas mit ihnen zu tun haben. Aber man kann nicht nur die ganze Zeit lang mit ihm lachen, sondern auch mal ernsthafte Gespräche führen, was mich vor allem an die mindestens zwei Stunden lange Konversation über Serienmörder und Religion erinnert. Sehr inspirierend. Ein hervorragender Musikgeschmack und die beste Imitation der deutschen Sprache, die ich je gehört habe geben ihm den letzten Schliff. He's a gem!

Ich könnte wohl stundenlang von ihnen schwärmen, aber irgendwann muss auch mal gut sein. Umso mehr freue ich mich, wenn ich sie irgendwann alle wieder sehe; wenn ich in einer von Davids Vorlesung sitze, wenn ich auf Johns Hochzeit als einer seiner Trauzeugen Tränen vergieße oder mit Sarah das Land ihrer Vorfahren besuche. Diese sechs Personen, die fast alle einschließlich mir anfangs irgendwo anders hinwollten und dann doch in Malta gelandet sind, werden mir auf ewig in bester Erinnerung bleiben. Schon allein, weil ich Teile ihrer Flaggen auf meiner Wade trage. :)
I love you, guys and thanks for everything.
English version
It's Time
Time to come home. Today's my 110th day, only a fortnight and I'll be back in Rostock. I wrote five exams in the last three days. I'm not even sure if that is allowed back home...But nobody seems to care here. And to be honest, I don't care either, cause so far the exams have been pretty easy. If I still failed I would take that as sign to immediately stop studying English. If you fail in Malta, you fail everywhere. No, seriously. I just can not imagine to fail these tests; but we will see. In fourteen days is my last exam. In the meantime I have to finish an oil painting and an assignment and then it's "Farewell, Malta" and of course "Goodbye, my friends", since I know that I'll definitely travel to the States, even if it is only for some weeks.
Sarah described everyone perfectly in her blog and I hardly dare to try the same, but she inspired me to tell my friends and my family back home about these awesome people who I met here.
Starting with Jonathan Nash from Alabama. He loves to climb and lead. He's very much into sport, no matter if football (the european version, of course) or rugby. It's not his first study abroad here on Malta. Some years ago he was in Austria and everytime he says something in German I have to smile.
Next one of the Alabama boys is Graham Hughes Lowman, another one who's crazy for football. He can talk about some players, whom I never heard of, like a child about superheroes. We share the same disgust against hospitals and would rather starve than to eat the muck there. Hughes would be an awesome politician - in a good sense - because when he defends something enthusiastically or wants to destroy it you immediately want to join.
Third guy from Alabama is James David Woodington. I don't want to reduce David to his perfect hair, but I have to write about it. When Mr. Woodington floats through the streets, you found much to your surprise, that the gods gave him an unmatched gift - perfect, golden hair. You have to see it, to believe me. Luckily David's also full of sarcasm, a sincere character and a high amount of knowledge about philosophy and theology. He wants to become a professor and I really want to visit one of his lectures someday, cause I'm sure he will be an awesome lecturer.
Number four of my favourite Americans is Janae Leann Enns, oh my, so many n's and e's and a's... Janae is best described with the words "batshit crazy" - in a good sense, of course. We share an awkward love for "Pocahontas", especially the song "Colours of the Wind". Sometimes she suprises me with things that aren't very typical for girls and she totally knows how shocked I feel. Furthermore she loves to hear German although she doesn't understand any words.
The fifth and my second most favourite is Sarah Marie Landerholm. As almost every citizen of the United States she has ancestors from other countries. However, she's not just showing off with her bajillion ancestors like other Americans, who I luckily don't hang around with that often. She celebrates her roots in a very enjoyable way. She knows about Japan's culture, it's language and has also been there before. Sarah likes to drink wine and to sit under the table. If one leads to the other? Not necessarily. She hates cats, but I will forgive the way she forgave me. ;)
The last one is John Fergerson Shults, guardian angel and absolute favourite among my new friends. When my sisters told me that my brothers had been kidnapped by aliens, I always thought they were dead, but obviously one could escape to the States. John harbours an unmatched love for guitars, he plays the guitar awesomely well and will definitely have something to do with them in the future. The good thing is that you can't only laugh with him all the time, but also discuss together, which reminds me on our 2hr conversation about serial killers and religion. Very inspiring! An incredible taste of music and the best imitation of the German language that I've ever heard, give him the final touch. He's a gem!
I could talk about them for hours, but it should be enough for now. All the more I am glad that I will see all them again someday, when I sit in one of David's lectures, cry a lot out of happiness as one of John's groommen at his marriage or when Sarah and I will visit her ancestor's country just out of fun. Those six persons who - including me - initially wanted to go somewhere else, but then came to Malta will be part of my heart and memories forever; and of course part of my calf. ;)
I love you, guys and thanks for everything.